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Klima und Energiewende : Rudi Behr zum Bio-Gemüseanbau
01.03.2025 13:49 (86 x gelesen)

Rudi Behr zum Bio-Gemüseanbau

Wenn Sie das Editorial lesen, ist die Bundestagswahl vorbei. Ich habe es vor der Wahl geschrieben, denn mein Anliegen ist nicht parteipolitischer, sondern wirtschaftlicher Natur.
 
Mir fehlt in den Diskussionen die Fähigkeit, Dinge von mehreren Seiten zu beleuchten und sich dann für die beste Möglichkeit zu entscheiden, was auch das kleinere Übel sein kann. Die Allmachtsphantasien zur Weltrettung sind mir ein Gräuel. Man müsste, hätte, könnte sind vorgeschobene Metaphern, die sich vor Entscheidungen drücken, weil sie unangenehm, angreifbar und auch falsch sein könnten. „Irren ist menschlich“, sagt ein Sprichwort. Mir erscheinen viele Aussagen unmenschlich, weil der mögliche Irrtum nicht akzeptiert wird.
 
Nun aber zu meinem kleinen Arbeitsumfeld, dem Gemüseanbau. Wir arbeiten im Freien und im Boden, eine auf dem Feld und in der Natur arbeitende Firmengruppe. Konventionell und im Bio-Anbau gibt es viele Gemeinsamkeiten. Der Anteil an Bio-Gemüse beläuft sich bei uns auf ca. 15 % der Menge. Unsere Kunden sind der Supermarkt und der Discounter. Bisher sind wir Mitglied im Verband Biokreis e.V. sowie im Anbauverband BIOPARK e.V. und werden demnächst, wenn alles gut geht, auch Mitglied im Naturland-Verband. Wir produzieren im Bio-Anbau Mengen, die jeder Nachfrage gerecht werden. Wird mehr nachgefragt, reagieren wir sofort.

Über die einzelnen Anforderungen möchte ich mich nicht auslassen, jedenfalls nur so viel: Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität im Boden und Biodiversität in der Kulturlandschaft sind nach unserer Meinung unterbelichtet und können erheblich mehr an Bedeutung bekommen. Das ist uns als Großbetrieb wichtig und auch machbar. Automatisierung sowie KI-Anwendung verbessern nachhaltiges Handeln. Bodenschonung, Verringerung der Umweltbelastung und damit ressourcenschonender Gemüseanbau in den Bio-Betrieben sowie auch in den konventionellen Betrieben ist oft eine Frage der Technik. Bei den Anbauverfahren sind sehr gute Erfahrungen aus dem Bio-Anbau in den konventionellen Bereich übernommen worden. Das ist selbstredend. Etwas erfolgreiches aus den Bio-Betrieben nicht im konventionellen Bereich anzuwenden, wäre ein Zeichen von Dummheit und Ideologie.
 
Wir sind offen für jede Art von Anwendungen, die weniger Belastung für die Umwelt bringt. Wir sind allerdings nicht bereit, den Ertrag an Lebensmitteln pro Hektar dauerhaft zu minimieren, weil das angesichts von 8 Milliarden Menschen auf der Erde unverantwortlich ist. Da beginnt die Güterabwägung. Ökologisch wertvoller Gemüseanbau für die 1,7 Milliarden Menschen von 1900 oder für die 8 Milliarden derzeitigen Erdbewohner? Nur zur Erinnerung: Vor der Erfindung der Stickstoffgewinnung aus der Luft und vor der Chemie hatten wir um 1900 ca. 1,7 Milliarden Menschen zu ernähren und das war sehr schlecht gelungen. Mit welchen Methoden ernähren wir heute 8 Milliarden Menschen auf der Erde? Doch sicherlich nicht mit den Möglichkeiten von 1900. Da ist für mich eine unfassbare Ignoranz in der politischen Diskussion, die sich nur sehr reiche Industrienationen erlauben können, weil sie im Notfall ausreichend Geld haben, den armen Ländern die Nahrung wegzukaufen und sie dem Hungertod ausliefern können. Das ist dann argumentativ dem Klimawandel geschuldet oder wer weiß noch, was uns einfällt, in jedem Fall nicht unsere Ignoranz der Wirklichkeit.
 
Fleischverzicht ist die nächste Floskel. Die Sonne als alleinige Kraft der Energieversorgung des Lebens auf der Erde lässt bei ausreichendem Wasser und Nährstoffen in weiten Teilen der Erde Gras wachsen. Die Menschen grasen nicht, aber die Tiere, und versorgen uns mit lebenswichtiger Energie. Weniger Fleisch, ja, aber kein Feldzug gegen Fleisch. Wenn wir Menschen auf die Energiequelle Gras angewiesen wären, dann müssten wir zur Erhaltung unseres Lebens neben dem Schlaf nur fressen, fressen und ködeln. Andere Tätigkeiten könnten wir uns nicht erlauben. Nichts mit Computern und Industrie. Eine Schafherde kann sich jeder einmal ansehen und beobachten, was die Grasfresser machen: fressen, fressen und ködeln, mehr nicht. Erst der Fleischverzehr versetzte den Menschen in die Lage, an etwas anderes zu denken. Die Entwicklung des intelligenten Menschen ist an den Fleischverzehr gebunden, weil die energiereiche Kost uns Zeit zum Denken gibt. Wir brauchen heute nicht so viel energiereiche Kost, da wir unsere Energie des Jagens und Sammelns auf der Tastatur des Computer auslassen und das geht im Sitzen.
 
Ich bin mir sicher, dass man das Thema positiv, auch mit realistischen Grünen, durchdeklinieren kann, denn die sind nicht blöd. Verbohrte Ideologien braucht kein Mensch und vor allen Dingen nicht die Menschheit. Unterschiedliche Lösungswege sind normal. Sie müssen allerdings am Ende der Realität standhalten. Güterabwägung ist eine Fähigkeit intelligenter Menschen. Ideologie gehört den Doofen und den Halbdoofen. Der ehemalige Landwirtschaftsminister, Karl Heinz Funke (SPD), hat mir einmal erklärt, wie Politik und Verbandswesen häufig funktionieren. Nach seiner Aufteilung der Menschen in Doofe, Halbdoofe und Intelligente, jeweils zu einem Drittel, ist leider oft zu befürchten, dass die Halbdoofen die Nase vorn haben. Die Doofen verstehen sie und geben ihnen die Stimme. Sie sind selbst nicht so blöd, ihre Unfähigkeit für höhere Ämter als ausreichend anzuerkennen. Die Halbdoofen aber haben diese Hemmschwelle nicht. Deshalb regieren sie häufig. Nicht gut, aber so funktionieren Organisationen. Gelegentlich hilft eine Revolution, die den Saftladen wieder aufräumt. Dann sind die Herausforderungen so groß, dass es Lösungen geben muss. Das scheint derzeit der Fall zu sein. Das geschieht intelligenterweise durch Wahlen. Leider besteht die Gefahr, dass die guten Ansätze durch faule Kompromisse mit verbleibenden Halbdoofen verwässert werden. Das müssen wir hinnehmen und für leichte Verbesserungen dankbar sein. So ist das in der besten Regierungsform, die ich kenne, die Demokratie!
 
Ihr Rudolf Behr


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